Die Donau zur Zeit von Johann Strauß Sohn Ein 1850 von Artaria angefertigter Plan von Wien zeigt Wien nach der ersten Stadterweiterung. Der II. Bezirk erstreckte sich vom heutigen Donaukanal bis zum Donau-Strom (der heutigen Alten Donau). Die Brigittenau reicht bis zum Kaiser-Wasser, einem Nebenarm der Donau, an dem die Schiffsmühlen lagen. Sowohl die Brigíttenau, wie Kaisermühlen, der Prater, die Krieau und Freudenau gehörten damals zum II. Bezirk.
1830 wurde beim heutigen Gänsehäufel eine Dampfschiffstation angelegt, die für Kaisermühlen, einer Ansiedlung von Mühlenbesitzern, Flößern, Schiffern und Fischern, einen spürbaren Aufschwung brachte. Dieser wehrte bis etwa 1875, als die Schiffahrtsstation an das rechte Donauufer bei der Reichsbrücke verlegt wurde.
Strandbad Gänsehäufel Erst 1907, als das Strandbad am Gänsehäufel in dem nunmehr strömungslosen Altarm der Donau eröffnet worden ist, erlebt Kaisermühlen einen neuerlichen Aufschwung.
Auszüge aus dem 1. Führer "Städtisch. Strandbad Gänsehäufel":
"So stellt der Donaustrand mit seinen Licht-, Luft-, Sonnen-, Sand- und Schwimmbädern eine kommunale Einrichtung dar, wie sie in hygienischer Beziehung vollkommener und erfolgreicher für die körperliche Wohlfahrt der Badegäste nicht geschaffen werden kann."
Was das "Gänsehäufel" heute der Wiener Bevölkerung ist, kann man einem schönen Sommertage sehen, wenn Tausende hinunterströmen und im goldigen Sonnenschein in den angenehmen Fluten des alten Donaubettes sich von den Strapazen des Tages erholen."
Florian Berndl
Florian Berndl (1856-1934), ein Naturheilkundler, der nach der Donauregulierung auf dem Gänsehäufl "Neubrasilien", eine Kolonie für Sonnenanbeter, schuf. Er pachtete 1900 ein Joch ("zur Kultivierung von Edelweiden"), errichtete einige kleine Hütten und bot seinen Besuchern, die sich nach Wasser, Sonne und Sand sehnen, vegetarische Imbisse und Fruchtsäfte. Die Gemeinde Wien kündigte allerdings den Pachtvertrag und gründete 1907 das städtische Strandbad. Das unkomplizierte Badevergnügen entsprach wohl nicht den Moralvorstellungen der Stadtverwaltung.
Berndl war noch bis 1913 Bademeister, wurde dann jedoch entlassen und musste seine Insel verlassen. Er versuchte noch zwei weitere Male die Ideen der Freikörperkultur durchzusetzen, doch sie waren nicht von Erfolg beschieden.


